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Buell
XB 12 R Firebolt |
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Copyright dieses Artikels by kradblatt.de von Klaus Herder, April 2004 Bitte stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie besuchen die Pressekonferenz eines japanischen Konzerns und begegnen nach der Veranstaltung auf dem Weg zum Klo zufällig dem Honda-Boss (Kawasaki-, Suzuki-,Yamaha- oder BMW-Boss geht auch). Ihnen fällt ein, dass Sie eigentlich noch ein paar aktuelle Fotos dieses Herrn brauchen und bitten ihn darum, mal eben kurz mit vor die Tür zu kommen. Dort steht zufällig ein Kinderkarussell, und es wäre doch ganz nett, wenn ebendieser Boss kurz aufs Karussell steigen und dazu vielleicht ein paar Grimassen ziehen könnte.
Meine Buell XB12R, Bj. 2003, 16,800km Was
glauben Sie, wie der Mann reagieren würde? Eben. Und genau deshalb
gibt es auch keine Karussell-Fotos mit japanischen Bossen. Aber genau
deshalb gibt es eine Honda Deauville.
Doch
soweit sind wir eigentlich noch gar nicht. Wer über Buell schreibt,
muss ein paar einleitende Worte zum aktuellen Geschehen in der Buell-Szene
verlieren. Bitteschön: Seit dem Modelljahr 2002 gibt es zwei
Buell-Welten, und die Buell-Zeitrechnung unterscheidet zwischen Vor-XB-Ära
und Ab-XB-Ära. In der Buell-Steinzeit entstanden so wunderbare
Dauer-Baustellen wie S1, M2, S3 und die schon etwas pflegeleichtere
X1. Die Fahrer dieser unter dem Oberbegriff „Rohrrahmen-Modelle”
laufenden Schätzchen bilden eine verschworene Leidensgemeinschaft,
die im Internet als „Buell Owner & Repair Group” recht
unterhaltsam Trauerarbeit leistet und auf Begriffe wie „Ölpumpenritzel”
und „Recall” etwas gereizt reagiert. Die Rohrrahmen-Bueller
sind die selbsternannte Buell-Elite, XB-Fahrer werden von ihnen nicht
ganz ernst genommen. Die schrauben nämlich weniger, fahren dafür
aber mehr, weil ihre XB9R oder XB9S einfach so ab Werk funktionieren.
Das macht die durchweg jüngeren XB-Fahrer in den Augen der Buell-Gralshüter
natürlich schwer verdächtig. Unglücklicherweise bedienen
sich die XB-Fahrer im Internet einer etwas - nun ja - infantilen Kommunikationsform
(Smilies!), was sie für die intellektuelleren Alt-Bueller zu
dankbaren Opfern macht. Doch die Fronten sind in Bewegung, es gab
bereits vereinzelte Fälle von Rohrrahmen-Verrat und Wechseln
ins XB-Lager. Und davon dürfte es in Zukunft noch mehr geben,
denn mit der Einführung der XB12 ist Buell hubraummäßig
wieder da, wo für deutschen Buell-Fans 1997 alles begann: bei
den vollen und einzig wahren 1200 Kubik. Doch die Hubraumerweiterung allein war's nicht, die den Sprung über die wichtigen 100-PS- und 100-Nm-Hürden ermöglichte. Viel Feinarbeit auf der Ansaug- und Abgasseite war erforderlich, um aus dem drehfreudigen Kurzhuber XB9 den bulligen Langhuber XB12 zu stricken. Für die Gemischaufbereitung des luftgekühlten V-Twins sorgt zwar auch in der XB12 eine elektronisch gesteuerte Kraftstoffeinspritzung, doch deren Drosselklappenkörper misst nun 49 statt 45 mm. Der Durchmesser der fetten Krümmer wuchs von 38,1 auf 44,5 mm. Stärkere Kupplungsfedern sichern den Kraftfluss, und eine längere Primärübersetzung wird der geänderten Motorcharakteristik gerecht. Das unterm Motor platzierte Auspuff-Ofenrohr ist bei der XB12 mit einer elektronisch gesteuerten Drosselklappe bestückt, die abhängig von Drehzahl und Gasgriffstellung den Abgasstrom im Schalldämpferinneren steuert. Bei niedrigen und hohen Drehzahlen gibt die clevere Auslasssteuerung den Weg relativ direkt frei, bei mittleren Drehzahlen geht's fürs Abgas drehmomentsteigernd durch drei Kammern. Die Feinarbeit an Einlass- und Auslassseite glückte Buell dermaßen gut, dass die XB12 auch ohne Kat und/oder Sekundärluftsystem die Euro-2-Abgasgrenzwerte deutlich unterbietet. Bereits
bei der XB9 schworen die Buell-Verantwortlichen, dass es sich beim
Motor um eine völlige Neukonstruktion handeln würde. Die
45 Grad Zylinderwinkel, die vier untenliegenden Nockenwellen, die
Stoßstangen, Kipphebel und je zwei Ventile pro Zylinder und
natürlich auch die Hydrostößel entsprachen natürlich
rein zufällig den entsprechenden Baugruppen einschlägiger
Harley-Sports-ter-Motoren. So gesehen ist auch der XB12-Motor natürlich
ein relativ moderner Motor, und dass man jetzt auch in Sachen Bohrung
und Hub wieder dem alten Milwaukee-Twin nacheifert, ist natürlich
ebenfalls purer Zufall. Das Fünfganggetriebe stammt allerdings
wirklich noch aus alten Zeiten und tat bereits in der Vor-Vorgängerin
der XB12 Dienst. Beim 2004er-Jahrgang erleichtert aber ein verlängerte
Schalthebel-Ausleger die Fußarbeit. Konzentriertes und nachdrückliches
Schalten ist aber immer noch gefragt, sonst landet man unweigerlich
irgendwo zwischen den Gängen. Der Kupplungshebel ist natürlich
immer noch nicht verstellbar. Wozu auch, zum Bedienen der Kupplung
sind ohnehin kräftige XL-Pranken von Vorteil, und solche Hände
haben nun mal keine Probleme mit weit abstehenden Hebeln. Die
Federelemente hingegen sind feinste Fernost-Ware, die über einen
sehr weiten Bereich voll einstellbaren Teile kommen von Showa. XB9
und XB12 haben völlig identische Fahrwerksdaten, also ultrakurze
1320 mm Radstand, ziemlich steile 69 Grad Lenkkopfwinkel und gerade
mal 84 mm Nachlauf. Fahrfertig und vollgetankt wiegt die XB12R (also
die halbverschalte XB; die nackte, technisch praktisch identische
Ausführung heißt XB12S) 209 Kilogramm und damit rund drei
Kilo mehr als die XB9R. Die etwas üppigeren Auspuff-Innereien,
die geänderte Kurbelwelle und der etwas breitere Zahnriemen (14
statt 11 mm) sind unter anderem fürs Mehrgewicht verantwortlich. Und der muss sich zumindest motormäßig kräftig umgewöhnen, sollte er bereits die XB9 kennen. So ähnlich die beiden Maschinen technisch auch sein mögen, so grundverschieden sind ihre Charaktere. Die Gasannahme ist bei beiden XBs wunderbar direkt, doch wo bei der XB9 ein leicht hochdrehender, fast schon turbinenartig arbeitender Fast-Sportmotor am Werk ist, wird die XB12 von einem kernigen Bulldozer-Antrieb vorangetrieben. Die XB12 surft auf einer gewaltigen Drehmomentwelle, ab 2000 Touren geht's bärig voran, und bereits bei 3000 U/min stehen 95 Nm zur Verfügung. Mit noch mehr Druck geht's zügig weiter, doch schon knapp unterhalb von 7000 U/min setzt der Drehzahlbegrenzer dem Treiben ein jähes Ende. Das wirkt anfangs arg ungewohnt, denn ausgerechnet auf dem Leistungshöhepunkt wird der XB12 der Saft abgedreht. Etwas mehr Spielraum nach oben wäre nett gewesen, doch der 12er-Fahrer lernt sehr schnell, mehr vom Drehmoment und weniger von absoluter Spitzenleistung zu leben. Für den lustvollen Landstraßenbetrieb ist der 12er-Antrieb maßgeschneidert, dort kommt man erst gar nicht in die Verlegenheit, das kernig bollernde Urviech in den Begrenzer zu jagen. Beim Durchzug tütet die XB12 die kleine Schwester deutlich ein, bei den absoluten Fahrleistungen schenken sich 9er und 12er aber nur wenig. Beide sind in unter vier Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Die XB9 macht bei rund 210 km/h Feierabend, die XB12 rennt 217 km/h. Recht sparsam mit dem Sprit gehen beide um. Wer auf 100 Kilometern mehr als sechs Liter abfackelt, macht etwas Grundlegendes falsch.
Für
welche der beiden Schwestern soll sich der schwer infizierte Buell-Fan
also entscheiden? Wer als Landstraßen-Kurvenräuber den
brutalen Kick der frühen Buell-Tage sucht, braucht unbedingt
die XB12R. Die 12er macht fahrspaßmäßig dort weiter,
wo die selige S1 aufgehört hat. Wer sich aber ab und an bei Renntrainings
herumtreibt, sollte vielleicht doch lieber zur 9er greifen. Die kostet
immerhin 1060 Euro weniger als die 11.499 Euro teure XB12R. Das gesparte
Geld lässt sich hervorragend in ein original Race-Kit investieren,
mit dem die XB9 noch etwas freier bläst. Die XB9 hat den „moderneren”
Motor, die XB12 besitzt den urigeren Antrieb. Buell hat jetzt beides
im Programm: Country und Western.
Technische
Daten Motor:
luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor,
Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, Farben Schwarz, Rot
und hier die Buell FAQ, eine lesenswerte Seite.
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